Wie funktioniert Antisemitismus?
16.06.2026 - Kategorie: News
Professor Florian Gassners Vortrag für die zehnten Klassen
Seit mehreren Jahren hält Dr. Florian Gassner, Professor an der Universität von Vancouver, während der kanadischen Semesterferien Vorträge in seiner oberbayerischen Heimat. Am 12.06.2026 war er bereits zum dritten Mal bei uns, informierte und sprach in der Aula mit den Schülerinnen unserer zehnten Klassen über Antisemitismus.
Herr Gassner zeigte den Mädchen klar Unterschiede zwischen Antijudaismus und dem rassistisch bestimmten Antisemitismus auf, unterschied zudem deutlich zwischen einer möglichen Kritik am Staat Israel und einer nicht möglichen Kritik, die mehr oder weniger verschleiert nur antisemitische Vorurteile verbreitet. Verständlich und sachgerecht vermittelte der Referent die Ursachen und Anfänge des modernen Antisemitismus im beginnenden 19. Jahrhundert (Bevölkerungswachstum, Industrialisierung, große Umbrüche in Gesellschaft und Wirtschaft).
Im Gespräch wurden die Schülerinnen aufgefordert, geschichtliches und kulturelles Wissen zu aktivieren, um Irrtümer und Vorurteile dann gemeinsam in den historischen Kontext einzuordnen. Die Mädchen konnten sich dadurch kritisch mit den klassischen antisemitischen Vorurteilen auseinandersetzen. Auch zeitgenössische Verschwörungstheorien, deren antisemitische Ausrichtung mitunter etwas verdeckt ist, wurden entlarvt.
In einer interessanten Fragerunde erhielten die Mädchen weitere wissenswerte Fakten. Es ging u.a. um die Bildung jüdischer Kinder und Jugendlicher in Mittelalter und früher Neuzeit, die Bedeutung der jüdischen Aufklärung (Haskala) und Antisemitismus in Kanada. Herr Gassner stellte auf eine Frage einer Schülerin als eine Art Fazit des Vortrags fest, dass man Antisemiten keine Plattform, keinerlei Anerkennung geben soll, denn Antisemitismus ist keine Meinung, die legitim oder diskussionswürdig ist.
Christian Martino
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